Tierkompass Landwirtschaft 2025 – Ergebnisse & Einordnung
Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Forum Moderne Landwirtschaft (Oktober 2025) zeigt:
Tierwohl, Herkunft und Transparenz bleiben zentrale Erwartungen der Verbraucher:innen – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen.
Die Ergebnisse wurden im Thementalk „Zukunftsfelder Tierhaltung“ am 6. November 2025 vorgestellt.
Zu den Umfrageergebnissen:
Online-Befragung durch Civey im Auftrag des Forum Moderne Landwirtschaft, Zeitraum 27.–30. Oktober 2025.
Befragt wurden 2.500 Personen ab 18 Jahren, repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.
Statistische Fehlertoleranz: ± 3,7 Prozentpunkte.
Frage 1: Welche Gerichte gibt es bei Ihnen an Weihnachten typischerweise?
Warum wir das gefragt haben:
An den Feiertagen zeigt sich, welche Werte uns beim Essen wichtig sind – von Tradition bis Bewusstsein für Herkunft.
Die Frage sollte aufzeigen, wie stark klassische Fleischgerichte, Geflügel oder vegetarische Alternativen in Deutschland vertreten sind.
Ergebnis in Kürze:
Die meisten Deutschen setzen an Weihnachten auf traditionelle Gerichte: Besonders beliebt sind Geflügel (z. B. Gans oder Ente) sowie Schweine- und Rindfleischgerichte.
Etwa ein Drittel der Befragten bleibt beim Klassiker „Würstchen mit Kartoffelsalat“, während vegetarische und vegane Alternativen vor allem in jüngeren Zielgruppen zunehmen.
Frage 2: Wie wichtig ist Ihnen das Thema Tierwohl beim Kauf von Fleisch, Milch oder Eiern?
Warum wir das gefragt haben:
Tierwohl ist einer der zentralen Werte moderner Landwirtschaft. Uns interessierte, welche Rolle das Thema beim täglichen Einkauf tatsächlich spielt – und ob Bewusstsein und Verhalten zusammenpassen.
Ergebnis in Kürze:
72 % der Befragten gaben an, dass ihnen Tierwohl beim Einkauf „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ist.
25 % hält es für „nicht wichtig“.
Was das bedeutet:
Das Thema Tierwohl ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Es ist kein Nischenthema, sondern ein Grundpfeiler moderner Landwirtschaft.
Frage 3: Sind Sie bereit, für Produkte aus besonders tiergerechter Haltung mehr zu bezahlen?
Warum wir das gefragt haben:
Tierwohl kostet – in Form von Investitionen, Flächenbedarf oder Arbeitszeit.
Daher wollten wir wissen, ob Verbraucher:innen bereit sind, diesen Mehrwert auch finanziell zu tragen.
Ergebnis in Kürze:
33 % der Befragten sind bereit, bis zu 10 % mehr für Produkte aus besonders tiergerechter Haltung zu zahlen.
38 % geben an, keinen Aufpreis leisten zu können oder zu wollen.
Was das bedeutet:
Tierwohl ist kein reines Preis-, sondern vor allem ein Informations- und Vertrauensthema.
Viele Menschen möchten wissen, wohin ihr Geld fließt – und zahlen mehr, wenn sie sicher sind, dass es bei den Tieren ankommt.
Unsere Umfrage zeigt, dass Tierwohl für viele Menschen wichtig ist. Innovationen helfen den Landwirtinnen und Landwirten, Anspruch und Alltag zu verbinden. Gleichzeitig wünschen sich Verbraucher:innen mehr Transparenz und Orientierung. Das ist eine Chance für alle, die Landwirtschaft sichtbarer, moderner und nachvollziehbarer machen wollen.
Frage 4: Welche Informationen nutzen Sie, um das Tierwohl bei Fleisch, Milch oder Eiern einzuschätzen?
Warum wir das gefragt haben:
Transparenz schafft Vertrauen – doch welche Informationsquellen sind für Verbraucher:innen wirklich relevant?
Diese Frage hilft zu verstehen, wo die Landwirtschaft ansetzen muss, um Vertrauen zu stärken.
Ergebnis in Kürze:
Die Mehrheit nutzt Tierhaltungskennzeichnungen, Medienberichte und regionale Anbieter, um sich über Tierhaltung zu informieren.
Nur ein kleiner Teil der Befragten gibt an, überhaupt keine Informationsquelle zu nutzen.
Was das bedeutet:
Kennzeichnungen und Aufklärung funktionieren – aber sie müssen verständlich, glaubwürdig und überall sichtbar sein.
Frage 5: Wie wichtig ist Ihnen die Herkunft der Produkte, die Sie kaufen?
Warum wir das gefragt haben:
Regionalität ist für viele Menschen ein Synonym für Qualität, Vertrauen und Nachhaltigkeit.
Wir wollten wissen, wie stark das Herkunftsmerkmal beim Einkauf tatsächlich gewichtet wird.
Ergebnis in Kürze:
65 % der Befragten finden die Herkunft ihrer Lebensmittel „sehr wichtig“ oder „wichtig“.
33 % halten sie für „nicht wichtig“.
Was das bedeutet:
Die Herkunft spielt eine entscheidende Rolle beim Vertrauen in Lebensmittel.
Wer regional produziert und transparent kommuniziert, trifft den Nerv der Zeit.
Tierwohl ist kein reines Preis-, sondern ein Informations- und Vertrauensthema. Je besser die Menschen wissen, was hinter einem Produkt steckt, desto eher sind sie bereit, Verantwortung mitzutragen.
Frage 6: Was sollte sich in der landwirtschaftlichen Tierhaltung künftig ändern?
Warum wir das gefragt haben:
Mit dieser offenen Frage wollten wir wissen, was Verbraucher:innen spontan mit moderner Tierhaltung verbinden – jenseits vorgegebener Antwortoptionen.
Ergebnis in Kürze:
Am häufigsten genannt wurden verbesserte Haltungsformen (40 %) und ein stärkerer Fokus auf Tierwohl (22 %).
Daneben wünschen sich viele Befragte weniger Bürokratie, mehr Transparenz in der Vermarktung und faire Preise für landwirtschaftliche Betriebe.
Was das bedeutet:
Die Erwartungen an die Tierhaltung der Zukunft gehen über den Stall hinaus.
Sie betreffen auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen – von Vertrauen über Wertschätzung bis zu politischer Verantwortung.
Fazit
Die Umfrage zeigt: Tierwohl, Herkunft und Transparenz sind zentrale Werte, die Verbraucher:innen mit moderner Landwirtschaft verbinden.
Gleichzeitig wächst der Wunsch nach nachvollziehbaren, ehrlichen Einblicken in die Praxis.
Für die Landwirtschaft ist das eine Chance, zu zeigen, wie Innovation und Verantwortung zusammenwirken – und wie Tierwohl in Deutschland weiter gestärkt werden kann.