CLAAS-Managerin Elena Glitz-Jebing: „Frauen müssen nicht erst 120 Prozent erfüllen“

Berlin, 17. September 2026. Wenn Elena Glitz-Jebing heute über Landtechnik spricht, kennt sie beide Seiten: die Perspektive der Landwirte auf dem Hof und die eines international tätigen Landtechnikunternehmens. Aufgewachsen ist sie auf einem Ackerbaubetrieb mit Schweinemast im Kreis Höxter. Bis heute fährt sie dort gelegentlich Landmaschinen und packt mit an. Beruflich verantwortet sie inzwischen das Marketing von CLAAS in Deutschland, Benelux und der Schweiz.

Ihr Weg dorthin verlief nicht geradlinig. Nach einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau studierte Glitz-Jebing Betriebswirtschaftslehre und Agrarökonomie. Es folgten Stationen bei CLAAS E-Systems, 365FarmNet und dem Mulchgerätehersteller Müthing. Anfang 2024 kehrte sie zu CLAAS zurück.

Ihre landwirtschaftliche Herkunft sieht sie dabei als Stärke. „In meinem Job im Marketing geht es für mich darum, zwischen Technik, Handel, Vertrieb und landwirtschaftlicher Praxis zu übersetzen“, sagt Glitz-Jebing. Betriebswirtschaftliches Wissen trifft bei ihr auf praktische Erfahrung und technisches Verständnis.

Verantwortung übernehmen, bevor alles perfekt erscheint
Gerade Frauen rät Glitz-Jebing, sich den nächsten Karriereschritt zuzutrauen, auch wenn noch nicht jede Anforderung auf der Liste abgehakt ist. „Frauen müssen nicht erst 120 Prozent erfüllen, um Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie. Fachliche

Kompetenz sei wichtig, ebenso aber die Bereitschaft, Verantwortung anzunehmen und den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen.

Damit trifft sie einen Punkt, der weit über ihren eigenen Berufsweg hinausgeht. Frauen sind in Führungspositionen und technischen Bereichen der Agrarwirtschaft bislang vergleichsweise selten vertreten. Gleichzeitig hält eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung weibliche Vorbilder in der Landwirtschaft für wichtig: In einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Forum Moderne Landwirtschaft stimmen 65,9 Prozent der Befragten dieser Aussage zu.

Für Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forum Moderne Landwirtschaft, gehört beides zusammen: Frauen, die sich Verantwortung zutrauen, und Unternehmen, die ihnen die entsprechenden Möglichkeiten eröffnen. „Persönlicher Mut allein reicht nicht. Unternehmen müssen Karrierewege öffnen, Verantwortung übertragen und Vereinbarkeit ermöglichen. Gleichzeitig brauchen Frauen sichtbare Vorbilder, die zeigen: Für den nächsten Schritt muss niemand perfekt sein.“

Sichtbarkeit beginnt mit konkreten Geschichten
Solche Vorbilder gibt es längst. Frauen leiten landwirtschaftliche Betriebe, führen Mitarbeitende, entwickeln neue Geschäftsfelder, arbeiten in Forschung und Technik oder übernehmen Verantwortung in Unternehmen und Verbänden. Mit seiner Porträtreihe zum Internationalen Jahr der Landwirtin 2026 will das Forum Moderne Landwirtschaft diese unterschiedlichen Wege sichtbarer machen.

Dabei geht es nicht darum, Frauen und Männer gegeneinanderzustellen. Im Gegenteil, sagt Glitz-Jebing. Netzwerke seien besonders wertvoll, wenn sie Grenzen überwinden: „Ich fände es gut, wenn wir Frauen uns nicht nur untereinander, sondern auch gemeinsam mit Männern vernetzen. So entsteht gegenseitiges Verständnis und Frauen werden in der gesamten Branche sichtbarer.“

Landwirtschaft braucht unterschiedliche Perspektiven
Glitz-Jebings eigener Berufsweg zeigt zugleich, wie vielfältig die Arbeitswelt rund um die Landwirtschaft inzwischen ist. Landtechnik bedeutet längst nicht nur Maschinenbau. Digitalisierung, Elektronik, Datenmanagement, Produktentwicklung, Vertrieb und Kommunikation gehören ebenso dazu.

„Viele wissen gar nicht, wie komplex die Sparte der Landtechnik ist und welche beruflichen Möglichkeiten sie bietet“, sagt Glitz-Jebing. Gefragt seien Menschen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und Erfahrungen. Ein eigener landwirtschaftlicher Hintergrund könne dabei hilfreich sein, sei aber keine Voraussetzung.

Für die Landwirtschaft ist diese Vielfalt von Bedeutung. Klimatische Risiken, wirtschaftlicher Druck und die digitale Transformation verändern Höfe ebenso wie die Unternehmen, die mit ihnen arbeiten. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven können helfen, dafür neue Lösungen zu entwickeln.

Elena Glitz-Jebing hat für Frauen, die ihren Weg in dieser Branche suchen, deshalb einen einfachen Rat: Erfahrungen sammeln, Netzwerke nutzen, fachlich überzeugen und den nächsten Schritt gehen. Auch dann, wenn sich noch nicht alles nach 120 Prozent anfühlt.

 

Über die Umfrage
Civey befragte im Auftrag des Forum Moderne Landwirtschaft vom 13. bis 14. August 2026 rund 2.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren. Die Daten wurden im Civey-Online-Panel mit verifizierten Teilnehmenden erhoben. Durch Quotierungen und Gewichtungen sind die Ergebnisse unter Berücksichtigung der jeweils ausgewiesenen statistischen Fehler repräsentativ für die bundesdeutsche Gesamtbevölkerung. Je nach Frage beträgt der statistische Fehler des Gesamtergebnisses zwischen 3,6 und 3,8 Prozentpunkten. Bei der Frage nach den größten Hürden waren Mehrfachantworten möglich.

 

Über das Forum Moderne Landwirtschaft
Das Forum Moderne Landwirtschaft ist eine bundesweit aktive Kommunikationsplattform für den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Es bringt Landwirtinnen und Landwirte, Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie gesellschaftliche Zielgruppen miteinander ins Gespräch. Ziel ist es, moderne Landwirtschaft verständlich, transparent und faktenbasiert zu vermitteln und ihre Leistungen sichtbar und erlebbar zu machen.

 

Pressekontakt
Beatrix Reißig
Leitung Kommunikation / Pressesprecherin
Forum Moderne Landwirtschaft e. V.
E-Mail: presse@moderne-landwirtschaft.de
Telefon: 0152 33968394
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